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1428 Delfine bei Treibjagd auf Färöern getötet

mardi, 14 Sep, 2021

Am Sonntagabend des 12. Septembers 2021 wurde eine riesige Schule von 1'428 Atlantischen Weissseitendelfinen stundenlang gejagt und in den Tod getrieben. Die Treibjagd, das sogenannte Grind, fand auf den zu Dänemark gehörenden Färöern statt. Die Tiere wurden auf einer Strecke von ca. 45 km mit Schnellbooten und Jet-Skis in die flachen Gewässer bei Skálabotnur getrieben, wo jedes einzelne Tier grausam getötet wurde.

Bilder des Grinds vom 12. September in Skálafjörður. ACHTUNG: Enthält Bilder, die verstörend wirken können.
Bildes des Grinds vom 12. September in Skálafjörður.
Bildes des Grinds vom 12. September in Skálafjörður.
Bildes des Grinds vom 12. September in Skálafjörður.
Bildes des Grinds vom 12. September in Skálafjörður.
Bildes des Grinds vom 12. September in Skálafjörður.

Sea Shepherd hält dies für die bisher größte einzelne Jagd auf Delfine oder Grindwale in der Geschichte der Färöer (gefolgt von der Jagd auf 1'200 Grindwale im Jahr 1940) und es ist vermutlich die grösste einzelne Jagd auf Wale, die jemals weltweit dokumentiert wurde.

Schon seit den frühen 1980er-Jahren kämpft Sea Shepherd dafür, Grinds zu stoppen. Diese jüngste Massentötung wurde so brutal, unkoordiniert und chaotisch durchgeführt, dass sie in den färöischen Medien und sogar bei überzeugten Walfangbefürwortern sowie bei Politikern auf den Färöern in die Kritik geraten ist.

Einheimischen zufolge, die Sea Shepherd Videos und Fotos zur Verfügung gestellt haben, verstiess diese Jagd gegen mehrere färöische Gesetze zur Regulierung des Grinds:

Erstens wurde der für dieses Gebiet zuständige Grind-Vorsteher nicht informiert und hat die Jagd somit nie genehmigt. Stattdessen traf ein anderer Grind-Vorsteher die Entscheidung, der dazu nicht befugt war.

Zweitens besassen viele Beteiligte keine Genehmigung zur Teilnahme. Diese Genehmigung ist auf den Färöern erforderlich, da sie eine spezielle Ausbildung beinhaltet, die das schnelle Töten von Grindwalen und Delfinen gewährleisten soll. Das Filmmaterial belegt auch, dass viele der Delfine noch am Leben waren und sich noch bewegten, als sie mit dem Rest ihrer toten Schule an Land gezogen wurden.

Drittens zeigen Fotos, dass viele der Delfine von Motorbooten überfahren und von den Schrauben regelrecht zerfleischt wurden, was einen langsamen und schmerzhaften Tod zur Folge hat. Nach Angaben von Einheimischen wurde das Grind bei der färöischen Polizei wegen dieser Verstösse angezeigt.

Ein Delfin, der am 12. September in Skálafjörður während des Grinds von einer Schiffsschraube verletzt wurde.

Normalerweise wird das Fleisch eines Grinds unter den Teilnehmenden aufgeteilt und der Rest unter den Einheimischen des Bezirks, in dem die Jagd stattfindet. Bei diesem Grind gibt es jedoch mehr Delfinfleisch, als irgendjemand haben möchte. Daher werden die Delfine anderen Bezirken angeboten, in der Hoffnung, dass das Fleisch mangels Nachfrage nicht entsorgt werden muss.

Die dänische Zeitung Ekstra Bladet veröffentlichte Interviews mit Einheimischen, deren vollständige Namen zum Schutz ihrer Familien geändert wurden, in denen sie darlegen, dass viele Färöer wütend über diesen Vorfall sind. „Ich vermute, dass die meisten Delfine im Müll oder in irgendeinem Baggerloch landen werden“, sagte ein Einheimischer. „Wir sollten pro Bezirk Quoten haben und keine Delfine töten“, sagte ein anderer. Ein Einheimischer forderte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf, den Vorfall zu untersuchen: „Wenn sie sich öffentlich kritisch dazu äussert, wird es auch für die Einheimischen, die diese barbarische Tradition beenden wollen, leichter sein.“ Andere befürchten, dass die internationale Presse die Aufnahmen der geschlachteten Delfine zeigt und dies dann ihre Exporte gefährdet (die Färöer exportieren z. B. Lachs nach Deutschland, Grossbritannien, in die USA und nach Russland).

Sogar die lokale färöische Presse, die normalerweise nur ungern etwas gegen die Jagd veröffentlicht, zitiert Hans Jacob Hermansen, den ehemaligen Vorsitzenden der färöischen Vereinigung für Grindwalfang, mit den Worten, das Töten sei unnötig gewesen.

"Dass eine solche Jagd im Jahr 2021 in einer sehr wohlhabenden europäischen Inselgruppe stattfindet, die keinen Bedarf oder keine Verwendung für eine so grosse Menge an belastetem Fleisch hat, ist ungeheuerlich."

Rob Read, COO von Sea Shepherd UK

Um ein Bild von der Grössenordnung dieses Grinds zu vermitteln: Diese einzelne Jagd auf 1'428 Atlantische Weissseitendelfine entspricht der Quote der japanischen Regierung für die gesamte sechsmonatige Treibjagdsaison von Delfinen in der berüchtigten Bucht von Taiji (Japan). Diese Zahl übertrifft zudem deutlich die Anzahl der Tiere, die in den letzten Jahren der Jagdsaison in Taiji tatsächlich getötet wurden.

Diese grausame und sinnlose Jagd fand gegen Ende des Sommers statt, in dem die Färinger bereits 615 Grindwale getötet hatten. Nun erhöht sich die Gesamtzahl der im Jahr 2021 auf den Färöern getöteten Wale auf die unglaubliche Anzahl von 2'043 Tieren.

„Angesichts der Zeiten, in denen wir leben, mit einer globalen Pandemie und dem Stillstand der Welt, ist es absolut entsetzlich, einen so massiven Angriff auf die Natur auf den Färöern zu sehen. Wenn wir etwas aus dieser Pandemie gelernt haben, dann, dass wir in Harmonie mit der Natur leben müssen, anstatt sie einfach auszulöschen.“

Kapitän Alex Cornelissen, CEO von Sea Shepherd Global

Jedes Jahr trifft Sea Shepherd auf den Färöern immer mehr Einheimische, die sich gegen das Grind aussprechen, sich aber aus Angst vor Repressalien nicht öffentlich äussern können. Auch in Zukunft werden wir sie in ihren Bemühungen unterstützen, das anhaltende Töten von Grindwalen und anderen Delfinen zu beenden.

Weitere Informationen, Daten und aktuelle Nachrichten rund um das Thema Grind stehen auf der Kampagnen-Website oder der Facebook-Seite zu Operation Bloody Fjords.

Siehe Video des Grinds unten (Achtung: Video enthält Bilder, die verstörend wirken können)

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