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Commentary
UN-Hochseeschutzabkommen: Chance für neue Meeresschutzgebiete?
Donnerstag, 15 Jan, 2026
Kommentar von Peter Hammarstedt, Chief Campaigns Officer bei Sea Shepherd Global.
Heute ist mit dem UN-Hochseeschutzabkommen ein neuer globaler Vertrag in Kraft getreten. Zum ersten Mal können Staaten damit auf Hoher See Meeresschutzgebiete in den Teilen der Weltmeere einrichten, die ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse liegen.
Das Abkommen trägt den offiziellen Namen „Agreement under the United Nations Convention on the Law of the Sea on the Conservation and Sustainable Use of Marine Biological Diversity of Areas beyond National Jurisdiction“ und schafft einen seit Langem fehlenden Rechtsrahmen zum Schutz der Gewässer, die rund 64 % des Weltozeans ausmachen.
Das ist besonders wichtig, denn obwohl sich die internationale Gemeinschaft unter dem sogenannten „30×30-Ziel“ verpflichtet hat, bis 2030 30 % der Weltmeere als Meeresschutzgebiete auszuweisen, stehen heute weniger als 8 % unter irgendeiner Form von Schutz. Vollständig geschützt, einschliesslich eines Verbots industrieller Fischerei, sind weniger als 3 %, obwohl bis zum Erreichen des Ziels weniger als fünf Jahre verbleiben.
Sea Shepherd begrüsst den bedeutenden Erfolg des neuen Abkommens. Bislang war es nämlich praktisch unmöglich, Meeresschutzgebiete in den Weiten der Hohen See, die etwa zwei Drittel der Ozeane ausmachen, einzurichten.
Bisher ist die Antarktis das einzige Beispiel für echten Hochseeschutz. Sie verdeutlicht, was möglich ist und welche Risiken bestehen.
Im Rahmen des Antarktisvertrags und des Übereinkommens zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) ist es Staaten möglich, Meeresschutzgebiete in antarktischen Gewässern einzurichten, jedoch nur mit einstimmiger Zustimmung aller Mitgliedstaaten.
Auf Basis dieser Rechtsgrundlage wurde 2016 das Rossmeer-Meeresschutzgebiet eingerichtet, das weltweit grösste seiner Art. Gleichzeitig blockierte sie jedoch auch die Schutzbemühungen für die Antarktische Halbinsel. Denn Einwände von lediglich zwei der 27 CCAMLR-Mitgliedstaaten, der Volksrepublik China und der Russischen Föderation, verhindern dort seit Jahren Fortschritte.
Schon bald wird die ALLANKAY in der Antarktis eintreffen, um die zerstörerische, aber dennoch legale Krillfischerei im vorgeschlagenen Schutzgebiet der Antarktischen Halbinsel ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.