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Buckelwal an der Ostsee: Rettungsversuche und Herausforderungen

Sonntag, 29 Mär, 2026

Freitag, 27. März 2026

 

Von Wismar bis zum Timmendorfer Strand: Der junge Buckelwal, der sich Anfang März in den Wismarer Hafen verirrt hatte, befindet sich weiterhin in der Ostsee.

 

Ein Bericht von Sea Shepherd Deutschland.

Nachdem das Tier in Wismar von Einsatzkräften von einem Großteil des Stellnetzes befreit worden war, in das es sich verfangen hatte, leiteten wir es aus dem Hafen heraus. In Wismar war bereits deutlich zu erkennen, dass der Wal gestresst war und sich nicht in gutem Zustand befand. Dieser kritische Zustand versetzte viele Menschen in Sorge, insbesondere da Buckelwale in der Ostsee nicht heimisch sind und noch Leinenreste um seinen Körper gewickelt waren.

Sichtungen und Rettungsbemühungen

Am zweiten Märzwochenende wurde der Buckelwal in der Nähe von Boltenhagen gesichtet. Mit unserem Schlauchboot SEA FIRE machten wir uns sofort auf den Weg. Unserem Team gelang es, sich dem Tier zu nähern und einen weiteren Teil der Netzreste zu entfernen. Da der Wal jedoch nach einigen Bemühungen keinen weiteren Kontakt zuließ, musste der Einsatz abgebrochen werden. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch weitere Leinen mit Netzresten um den Körper des Wals.

Anfang der darauffolgenden Woche waren wir nach einer Meldung über eine mögliche Strandung vor der Steilküste bei Boltenhagen direkt vor Ort, um uns ein Bild von der Lage zu machen. Glücklicherweise war das Tier bis zu unserer Ankunft bereits in Begleitung der Wasserschutzpolizei in tieferes Wasser geschwommen.

Wenige Tage später tauchte der Buckelwal vor Haffkrug auf. Wir konnten einen neuen Versuch starten, die letzten Reste zu beseitigen. Mit Unterstützung der Wasserschutzpolizei näherten wir uns dem Wal und durchtrennten eine Leine mit einem Spezialwerkzeug. Doch der Wal tauchte immer wieder ab, sodass wir die Netzreste nicht vollständig entfernen konnten und den Einsatz schließlich abbrechen mussten.

In diesen Wochen waren unsere Teams immer wieder an Land und auf See unterwegs, um Sichtungsmeldungen nachzugehen – in der Hoffnung, eine erneute Gelegenheit zu bekommen, die letzten Netzteile abzutrennen. Wir standen in ständigem Kontakt mit Behörden und dem Deutschen Meeresmuseum, die alle bemüht waren, dem Wal zu helfen. Auch aus der Bevölkerung kamen zahlreiche Hinweise und Vorschläge.

Triton in Wismar

Strandung und Rettungsaktionen vor Timmendorfer Strand

Am Montag, dem 24. März., wurden wir um Unterstützung gebeten, da der Wal in der Nacht auf einer Sandbank gestrandet war. Sein Zustand war weiterhin kritisch, die Leinen waren noch vorhanden.

Gemeinsam mit Einsatzkräften von Polizei, Wasserschutzpolizei und Feuerwehr sowie mehreren Fachleuten, unter anderem vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), wurden im Laufe des Tages mehrere Rettungsversuche unternommen, die leider erfolglos blieben. Die Strandung hatte den Wal zusätzlich geschwächt und gestresst, was die Rettung erheblich erschwerte.

Es folgten vier weitere Tage, in denen nichts unversucht gelassen wurde, um dem Buckelwal zu helfen. Alle Maßnahmen wurden fortlaufend mit den genannten Institutionen vor Ort beraten und abgestimmt. Neben dem Wohl des Tieres standen dabei stets auch die Durchführbarkeit und die Sicherheit der Einsatzkräfte im Vordergrund.

Befreiung, Begleitung und ungewisse Zukunft

Letztendlich wurde entschieden, einen Kanal mit Spezialbaggern bis ins tiefere Wasser zu graben, damit der Buckelwal von selbst freischwimmen kann. Die Maßnahmen wurden am Donnerstag gestartet. Nach intensiven Baggerarbeiten konnte sich das Tier zunächst ein Stück bewegen, kam aber nicht aus eigener Kraft frei. Der Rettungsversuch musste abends wegen Einbruchs der Dunkelheit abgebrochen werden. In der Nacht befreite sich der Wal schließlich selbst; am nächsten Tag war er vor Ort nicht mehr zu entdecken.

Im Laufe des Tages wurde er erneut gesichtet. Gemeinsam mit verschiedenen Bootsbesatzungen, darunter von Küstenwache und Polizei, begleiteten wir ihn, um ihn durch Gegensteuern mit ausreichend Abstand in die richtige Richtung zu lenken.

Am späten Nachmittag wurde die Begleitung nach intensiver Beobachtung abgebrochen, um dem Buckelwal Ruhe zu gewähren. Zudem wurde es dunkel und der Wal war immer schwerer zu verfolgen. Das Begleiten in der Nacht gestaltet sich generell schwierig, da die Tiere dann nicht mehr zu sehen sind. Aufgrund der erkrankten und dadurch beschädigten Haut des Tieres konnte zuvor auch kein non-invasiver Sender angebracht werden, da dieser nicht haften würde.

Auch wenn er von der Sandbank freigekommen ist, ist er noch nicht in Sicherheit. Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich der Buckelwal noch in der Ostsee. Wir versuchen, gemeinsam mit weiteren Institutionen und im Rahmen unserer Möglichkeiten, zu helfen, dass der Buckelwal den Weg in die Nordsee findet.

Nach Meinung von Fachleuten stehen seine weiteren Chancen schlecht. Neben seinem kritischen Gesundheitszustand hat er noch eine Fischerleine im Maul, die nicht entfernt werden konnte. Zudem muss er den Weg in seinen eigentlichen Lebensraum, den Atlantik, zurückfinden. Auf diesem Weg drohen ihm Gefahren durch Schiffsverkehr und Stellnetze. Letztere dürfen sogar in Schutzgebieten eingesetzt werden und sind laut aktuellen Studienergebnissen aus Dänemark und Schweden die häufigste Todesursache für Schweinswale (jährlich sterben dort mehr als 900 bedrohte Ostsee-Schweinswale als Beifang).

Es kann Wochen dauern, bis sich zeigt, ob der Buckelwal überlebt hat. Trotz der schlechten Prognose bleibt immer noch ein Funke Hoffnung.

Engagement, Öffentlichkeit und Bedeutung des Falls

Wie auch immer seine Reise ausgeht: Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen Anteil am Schicksal des Wals nehmen. Sein Schicksal hat viele Menschen auf der ganzen Welt bewegt, und sogar die New York Times berichtete.

Gleichzeitig hat das Geschehen Dutzende Menschen vereint, die gemeinsam um das Überleben des Buckelwals gekämpft haben: freiwillige Helferinnen und Helfer, Einsatzkräfte und Fachleute. Hinzu kam umfangreiches Material, darunter schwere Maschinen, die teils eigens zur Verfügung gestellt wurden.

All diese Menschen haben sich gemeinsam für die Rettung des Buckelwals eingesetzt – durch Anteilnahme, aktive Hilfe oder technische Unterstützung.

Danke sehr!

Rettungskräfte vor Ort

Die Hamburger Kreativagentur The Ranch brachte den Buckelwal sogar auf eigene Kosten auf den XXL-Bildschirm im Hamburger Hauptbahnhof. Die 342 Quadratmeter große Digitalfläche dort ist unter dem Namen „The Whale“ bekannt. Sie wurde dabei unter dem Motto „Dieser Screen heißt ‚The Whale‘. Heute hilft er echten Walen“ genutzt, um Aufmerksamkeit für die Lage des Buckelwals zu schaffen und Spenden für Sea Shepherd zu sammeln.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in diesen Wochen unglaublich viel passiert ist, sodass sich nicht alles wiedergeben lässt. Neben dem Buckelwal ist wichtig, dass Themen wie der Schutz von Tieren und der Natur, die Belastung durch Fischereiausrüstung sowie das in Deutschland gänzlich fehlende Rettungskonzept für gestrandete Großwale in den Fokus gerückt sind.

Vielleicht hat der Buckelwal mit seinem ungewöhnlichen Besuch den erforderlichen Anstoß gegeben, damit die zuständigen staatlichen Stellen nun aktiv werden, sei es für ein Stellnetzverbot oder vor allem für ein dringend erforderliches Rettungskonzept. Wir werden diese Erfahrung auf jeden Fall nutzen, um unsere Abläufe und unser Equipment im Rahmen unserer Möglichkeiten als NGO zu optimieren. Darüber hinaus laufen bereits die Vorbereitungen für die nächste BALTIC SEA CAMPAIGN.

 

UPDATE: 29. März 2026

Seit gestern liegt der Buckelwal in der Bucht von Wismar. Auch wir waren heute gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort und halten uns für weitere Aktionen bereit.

„Der Buckelwal, der aktuell in der Wismarer Bucht liegt, ist in einem schlechten Zustand. Das sagten Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sowie mehrere Meeresforscher und Experten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Sonntagmittag. Man wolle den Wal jetzt in Ruhe lassen – in der Hoffnung, dass er Kraft tankt, sich selbst befreit und den Weg aus der Ostsee heraus findet, so Backhaus.“

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