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Drogerie-Riese Rossmann verzichtet auf Krill – die überwiegende Mehrheit der deutschen Drogeriebranche setzt auf krillfreie Produkte
Montag, 20 Apr, 2026
Rossmann, eine der grössten Drogerieketten Deutschlands und insgesamt einer der grössten Drogerieeinzelhändler in Europa, hat bestätigt, dass das Unternehmen das einzige Produkt auf Krillbasis aus seinem Sortiment nimmt.
Im Austausch mit Sea Shepherd Global bestätigte Rossmann, dass das letzte verbleibende Produkt mit Krill aus dem Sortiment genommen wird. Vorhandene Restbestände gehen in den Abverkauf.
Mit mehr als 4.000 Filialen in Europa steht Rossmann in direktem Wettbewerb mit dm-drogerie markt (dm). Der Drogeriekonzern hatte bereits im März angekündigt, den Verkauf von Krillölpräparaten und weiteren Produkten auf Krillbasis zu beenden.
Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit der kritischen Beobachtung der antarktischen Krillfischerei, ausgelöst durch mehrere Expeditionen von Sea Shepherd im Südpolarmeer. Während dieser Einsätze dokumentierte Sea Shepherd regelmässig industrielle Supertrawler, die in einem vorgeschlagenen Meeresschutzgebiet zwischen jagenden Walschulen operierten. Das gesammelte Bildmaterial wurde zusammen mit Bedenken über die unzureichende Regulierung der expandierenden Krillfischerei an Einzelhändler wie Rossmann übermittelt.
Krill ist eine Schlüsselart im Südpolarmeer, von der zahlreiche Arten abhängen, darunter Wale, Pinguine und Robben. Sinken die Krillpopulationen, gerät das gesamte antarktische Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Krilldichte rund um die Antarktische Halbinsel, wo der Grossteil der Fischerei stattfindet, seit den 1970er-Jahren um bis zu 80 % zurückgegangen sein könnte.
Vor diesem Hintergrund liefern auch aktuelle Einsätze zusätzliche Einblicke: Das Sea-Shepherd-Schiff Allankay kehrte kürzlich aus der Antarktis zurück, nachdem es dort ein unabhängiges Wissenschaftsteam bei der Erforschung der Auswirkungen der Krillfischerei auf Walpopulationen unterstützt hatte.
Auch der regulatorische Rahmen ist für den Schutz der Krillpopulationen von Bedeutung: Eine Schutzmassnahme, die die Krillfischerei auf grössere geografische Gebiete verteilen sollte, um lokale Überfischung zu vermeiden, wurde im Jahr 2024 nicht verlängert. Seitdem konzentriert sich der Fischereidruck zunehmend auf besonders artenreiche Gebiete, was die Belastung des Ökosystems weiter verstärkt.
Wie stark sich der Druck auf das antarktische Ökosystem bereits auswirkt, zeigt auch die jüngste Einstufung des Antarktischen Seebären: Anfang dieses Monats wurde er von der Weltnaturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestuft. Sein Überleben hängt unmittelbar vom Antarktischen Krill ab.
Die Ankündigung von Rossmann folgt auf Entscheidungen von dm sowie Holland & Barrett, einem führenden Anbieter für Gesundheits- und Wellnessprodukte in Grossbritannien, die eine Entwicklung hin zum Rückzug von Einzelhändlern aus dem Handel mit Krillprodukten massgeblich geprägt haben. Gemeinsam mit Sea Shepherd startete Holland & Barrett die Initiative „Antarctic Krill Pledge“, die Einzelhändler dazu ermutigt, den Verkauf von Krillprodukten einzustellen und diese in Zukunft nicht wieder in ihr Sortiment aufzunehmen.
Die Entwicklungen in der Drogeriebranche machen deutlich, dass das Zusammenspiel aus vor Ort gesammelten Beweisen und anhaltendem Engagement an Land nun beginnt, die Marktkräfte zu verändern.
„Deutschland war einst der grösste Einzelmarkt für Krillölpräparate und machte fast 10 % der weltweiten Nachfrage aus. Noch vor zwei Jahren gingen Marktprognosen davon aus, dass Deutschland den europäischen Krillmarkt mindestens bis 2031 dominieren würde. Doch diese Entwicklung hat sich grundlegend verändert. Angestossen durch Erkenntnisse aus den Expeditionen von Sea Shepherd im Südpolarmeer haben die Entscheidungen der führenden deutschen Einzelhändler im vergangenen Monat, den Schutz der Antarktis stärker zu berücksichtigen, dazu geführt, dass Krillprodukte künftig in der grossen Mehrheit der Drogeriemärkte des Landes nicht mehr erhältlich sein werden. Wir haben einen Kipppunkt erreicht – und damit den Beginn eines umfassenden Wandels in Europa.“
Peter Hammarstedt, Chief Campaigns Officer von Sea Shepherd Global
Erfahre mehr über die Antarctica Defense Kampagne: https://www.seashepherd.ch/de-ch/unsere-kampagnen/antarctica-defense-5/