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Dienstag, 08 Sep, 2026
Freitag, 14 Aug, 2026
Zum zweiten Mal in Folge wurde das Limit von 620.000 Tonnen Krill in der Antarktis vorzeitig erreicht, sodass die diesjährige Fangsaison vorzeitig geschlossen wurde. Zugleich wächst die Sorge vor einer Überfischung in einem der abgelegensten und ökologisch sensibelsten Meeresökosysteme der Welt.
Kommentar von Peter Hammarstedt, Kampagnendirektor von Sea Shepherd Global.
Die Rekordfänge beider Jahre gehen auf eine umstrittene Entscheidung der Antarktiskommission (CCAMLR) aus dem Jahr 2024 zurück. Die Kommission liess eine Regelung auslaufen, die den Krillfang 16 Jahre lang dazu verpflichtet hatte, sich auf grössere Gebiete zu verteilen. Damit sollte verhindert werden, dass sich der Fischereidruck zu stark auf einzelne Gebiete konzentriert.
Nun konzentrieren sich die Fangaktivitäten der Supertrawler zunehmend auf besonders artenreiche Regionen mit hoher Krilldichte, wodurch der Druck auf dieses Ökosystem weiter steigt. Laut einem von der Nachrichtenagentur Associated Press ausgewerteten Bericht der CCAMLR war der Fischereidruck in einem dieser konzentrierten Fanggebiete im vergangenen Jahr fast 60 % höher als in den Vorjahren.
Seit vier Jahren verfolgt Sea Shepherd die Flotte der Supertrawler, die in den traditionellen Nahrungsgebieten von Finn- und Buckelwalen Krill fangen. Diese Wale sind auf Krill als Hauptnahrungsquelle angewiesen. Krill wird unter anderem zur Herstellung von Omega-3-Gesundheitspräparaten verwendet, für die es jedoch auch pflanzliche Alternativen gibt.
Nachhaltigkeit, die keine ist
Die Krillfischerei bezeichnet sich seit Langem als „nachhaltig“ und verweist dabei auf eine geschätzte Krillbiomasse von 63 Millionen Tonnen allein im Gebiet 48, das zu den Fischereigebieten der Antarktis zählt. Sie argumentiert, dass das Fanglimit von 620.000 Tonnen „lediglich“ 1 % dieser Biomasse ausmacht.
Dieses Argument ignoriert jedoch zwei grundlegende Tatsachen.
Erstens hat sich das antarktische Ökosystem von den Folgen des kommerziellen Walfangs bis heute noch nicht vollständig erholt. Zwar haben sich manche Buckelwalpopulationen seit dem Walfangmoratorium von 1986 deutlich erholt, die Populationen der Blau- und Finnwale liegen jedoch immer noch weit unter dem Niveau von vor Beginn des Walfangs.
Wenn sich die Populationen allein im südwestatlantischen Teil der Antarktis wieder auf das Niveau von vor Beginn des Walfangs erholen, könnte ihr jährlicher Krillbedarf rund 100 Millionen Tonnen erreichen. Das wäre weit mehr als die derzeit geschätzt verfügbare Biomasse in diesem Gebiet.
Zweitens verteilt die Krillfischerei ihre Fangaktivitäten nicht gleichmässig auf Gebiet 48. Seit Jahrzehnten konzentriert sich der Fang überwiegend auf die Region um die Antarktische Halbinsel und die Südlichen Orkneyinseln.
Bis zum Ende der Fangsaison 2024 verhinderte die räumliche Verteilungsregelung der CCAMLR eine zu starke Konzentration des Fangs auf einzelne Regionen. Zusätzliche Grenzwerte regelten, wie viel der insgesamt 620.000 Tonnen auf die vier Teilgebiete von Gebiet 48 entfallen durften.
Nachdem die CCAMLR diese Regelung nicht verlängert hatte, blieb das Fanglimit von 620.000 Tonnen bestehen. Die Vorgaben zur räumlichen Verteilung der Fänge entfielen jedoch.
Die Folgen der industriellen Krillfischerei
In der vergangenen Saison zeigten sich die Auswirkungen sofort. Die Fischerei erreichte das Fanglimit deutlich vor Saisonende, da sich die gesamte Fangaktivität erstmals seit 16 Jahren auf wesentlich kleinere Gebiete konzentrierte, genau dort, wo Wale, Pinguine und Robben ihre Nahrung suchen.
Die Supertrawler steuern diese Gebiete aus demselben Grund wie die Tiere der Antarktis an: Dort ist die Krilldichte am höchsten.
Daher überraschte es weder Naturschutzorganisationen noch die Fischereiindustrie, dass das Fanglimit auch in diesem Jahr vorzeitig erreicht wurde.
Die Krillfischerei fordert nun eine nahezu Verdopplung des Fanglimits und begründet dies damit, dass die bestehende Grenze sehr schnell erreicht wird.
Doch ein vorzeitig erreichtes Fanglimit ist kein Beleg dafür, dass mehr Krill gefangen werden kann. Die Fischerei endet vorzeitig, weil die zulässige Fangmenge ausgeschöpft ist. Gleichzeitig konzentriert eine wachsende und zunehmend effiziente Flotte ihre Fänge auf kleinere, ökologisch sensible Gebiete, die unter anderem für Wale wichtige Nahrungsgebiete darstellen.
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