Mit Müller werden über 94 % des deutschen Drogeriemarkts krillfrei
Dienstag, 08 Sep, 2026
Mittwoch, 02 Sep, 2026
Australiens zwei grösste Supermarktketten haben bestätigt, dass sie den Verkauf von Krillöl Nahrungsergänzungsmitteln einstellen werden, was auf eine deutliche Marktverschiebung weg von Produkten hindeutet, die aus dem antarktischen Nahrungsnetz gewonnen werden.
Einige Tage, nachdem die Coles Group Sea Shepherd schriftlich bestätigt hatte, dass sie in ihren mehr als 840 Supermärkten aus Krill gewonnene Produkte aus dem Sortiment genommen hat, bestätigte auch Woolworths, dass sie keine Krillöl Produkte verkauft.
Laut der australischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzkommission (Australian Competition and Consumer Commission, ACCC) machen Woolworths und Coles zusammen etwa 67% der landesweiten Lebensmittelverkäufe im Supermarkt aus, was bedeutet, dass in etwa 2 200 Geschäften keine Krillöl Produkte mehr verkauft werden, was etwa zwei Dritteln des australischen Marktes entspricht.
Die Bestätigung dehnt die Marktverschiebung – die bereits bei grossen Einzelhändlern in Deutschland und Grossbritannien im Gange ist – auf australische Küsten aus.
Die Bestätigung von Coles bestätigte die Beobachtung von Sea Shepherd, dass mehrere zuvor auf der Website des Händlers aufgeführte Krillöl Produkte nicht mehr verfügbar waren.
Sea Shepherd-Kampagne zum Schutz des antarktischen Krills
Die Entwicklung geht einher mit einer genaueren Untersuchung der antarktischen Krillfischerei, die teilweise durch vier aufeinander folgende Sea-Shepherd-Kampagnen in den südlichen Ozean vorangetrieben wird.
Während dieser Kampagnen dokumentierte Sea Shepherd wiederholt industrielle Supertrawler, die innerhalb eines vorgeschlagenen Meeresschutzgebiets zwischen Grindwalen operierten. Die auf See gesammelten Beweise wurden anschliessend den Einzelhändlern zusammen mit der Besorgnis über die Schwächung der Vorschriften für die schnell expandierende Krillfischerei vorgelegt.
Krill ist eine Schlüsselspezies im südlichen Ozean und wandelt durch Phytoplankton gewonnene Energie in eine Nahrungsquelle um, die Wale, Pinguine, Robben und unzählige andere Arten ernährt. Veränderungen des Krillreichtums können das Nahrungsnetz der Antarktis beeinträchtigen. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Krilldichte auf der Antarktischen Halbinsel, wo ein Grossteil der kommerziellen Fischerei konzentriert ist, seit den 1970er Jahren um bis zu 80% zurückgegangen sein könnte.
Ein grosser Teil des Antarktischen Krillfangs wird zu Krillöl verarbeitet, das in Omega–3-Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird, obwohl Alternativen, einschliesslich Omega–3-Nahrungsergänzungsmitteln, die direkt aus Algen gewonnen werden, weit verbreitet sind. Im Gegensatz zu Krillöl erfordert Omega–3 auf Algenbasis keine industrielle Gewinnung von Wildtieren aus dem Nahrungsnetz der Antarktis.
Das Sea-Shepherd-Schiff Allankay kam dieses Jahr aus der Antarktis zurück, nachdem es die Arbeit eines unabhängigen Teams von Wissenschaftlern unterstützt hatte, die die Überschneidungen zwischen der Krillfischerei und der Jagd nach Walen untersuchten.
Ende 2024 lief eine wichtige Schutzmassnahme aus, die vorschrieb, die Krillfischerei auf ein grösseres geografisches Gebiet zu verteilen, nachdem die Regierungen sich nicht auf eine Verlängerung einigen konnten. Mit der Massnahme sollte das Risiko eines lokalen Zusammenbruchs reduziert werden. Ohne diese räumlichen Beschränkungen kann sich der Fischereiaufwand zunehmend auf ökologisch wichtige Gebiete konzentrieren, wodurch der Druck auf wild lebende Tiere zunimmt, die auf dieselben Krillressourcen angewiesen sind.
Anfang dieses Jahres wurde der antarktische Seebär von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN), der globalen Behörde für Aussterberisiken, als gefährdet eingestuft. Antarktischer Krill ist ein kritischer Bestandteil der Nahrung dieser Tierart.
Lebensmittkonzerne distanzieren sich weltweit vermehrt von Krill Produkten
Die Entwicklungen in Australien folgen auf Entscheidungen grosser internationaler Einzelhändler, sich von Produkten aus Krill zu verabschieden, darunter die deutschen Einzelhändler dm-drogerie markt und Rossmann sowie Holland & Barrett, ein führender Gesundheits- und Wellnesshändler in Grossbritannien.
Im Oktober 2025 lancierte Holland & Barrett zusammen mit Sea Shepherd Global den Antarctic Krill Pledge, einen gemeinsam verfassten Handlungsaufruf, der Einzelhändler dazu ermutigt, den Verkauf aller auf Krill basierenden Produkte einzustellen.
Während weder Coles noch Woolworths den Artarctic Krill Pledge unterzeichnet haben, ermutigt Sea Shepherd die australischen Konsumenten, sie dazu zu drängen, ihre Positionen durch die Unterzeichnung des Versprechens zu formalisieren.
«In Grossbritannien und Deutschland haben wir bereits erlebt, dass sich die Marktkräfte entschieden vom Krill ab-gewandt haben, und nun hat dieser Wandel Australien erreicht. Australien hat einen starken Markt für Nahrungser-gänzungsmittel, der Markt für Omega–3-Ergänzungsprodukte wird auf über 156 Millionen Dollar geschätzt. Wenn Einzelhändler, auf die rund zwei Drittel des australischen Lebensmittelmarktes entfallen, kein Krillöl verkaufen, sendet dies ein starkes Signal an den Rest des australischen Einzelhandels, dass aus dem antarktischen Nahrungsnetz ge-wonnene Produkte nicht mehr in die Regale der Supermärkte gehören.»
Peter Hammarstedt, Kampagnenleiter Sea Shepherd Global.