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Sea Shepherd und italienische Behörden beschlagnahmen 19 km illegale Netze und befreien vier gefährdete Teufelsrochen

Dienstag, 23 Jun, 2026

Sea Shepherd hat die neunte Saison von Operation SISO im südlichen Tyrrhenischen Meer gestartet und direkt einen bedeutenden Erfolg erzielt. In einer 72-stündigen gemeinsamen Aktion mit der italienischen Guardia di Finanza und der Küstenwache wurden Anfang des Monats vor der Küste Kalabriens insgesamt 19 Kilometer illegale Treibnetze sichergestellt sowie mehrere verfangene Tiere befreit.

Die Sea-Shepherd-Crew zieht Seile mit daran befestigten Fischfallen ein. Foto: Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global

Entdeckung der illegalen Netze

Der Einsatz begann am 6. Juni, als die Sea Eagle von der operativen Luft- und Seeeinheit der Guardia di Finanza einen Hinweis auf ein illegal ausgebrachtes Treibnetz erhielt. Zwei tote Teufelsrochen wurden von der Besatzung in einem Treibnetz mit einer Maschenweite von 45 Zentimetern vor Ort entdeckt. Diese Netzart ist seit 2002 im gesamten Mittelmeer verboten.

Ein vom Aussterben bedrohter Teufelsrochen, der sich in einem Kiemennetz verfangen hat. Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global
Die Crew von Sea Shepherd befreit einen in einem Kiemennetz gefangenen Teufelsrochen. Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global
Eine Unechte Karettschildkröte wird wieder ins Meer entlassen. Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global
Die im illegalen Treibnetz gefangenen Tiere werden befreit. Florian S Schmidt/Sea Shepherd

Hinweise auf systematische illegale Fischerei

Bereits einen Tag zuvor hatte die Besatzung in denselben Gewässern ein weiteres verlassenes Netz geborgen, in dem sich drei tote Delfine befanden, darunter ein neugeborenes Kalb.

Das Material, die Schwimmer und die Bojen stimmten exakt mit dem Netz überein, in dem die beiden verendeten Rochen gefunden wurden.  Dies deutete auf ein System großflächiger illegaler Fischerei hin. Angesichts des Ausmaßes der Bedrohung starteten die Guardia di Finanza, die italienische Küstenwache sowie die Sea Eagle und die Spitfire von Sea Shepherd dreitägige, durchgehende Patrouillen entlang der kalabrischen Küste, um die Verantwortlichen aufzuspüren.

Insgesamt wurden bei den Patrouillen 19 Kilometer illegaler Treibnetze beschlagnahmt und mehrere Tiere lebend befreit, darunter vier stark gefährdete Teufelsrochen, ein Mondfisch und eine Unechte Karettschildkröte. Die Besitzer der Netze konnten bisher nicht ermittelt werden.

Die italienische Küstenwache überwacht die Beschlagnahmung illegaler Langleinen und Haken. Foto: Germana C. Lavagna/Sea Shepherd Global
Die italienische Küstenwache mit der «Spitfire» von Sea Shepherd. Foto: Germana C. Lavagna/Sea Shepherd Global
Zusammenarbeit mit der Guardia di Finanza bei der Beschlagnahmung illegaler Fischereiausrüstung. Foto: Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global

Warum das Tyrrhenische Meer, warum gerade jetzt?

Die Operation SISO patrouilliert jedes Jahr im Juni und Juli während der Laichzeit des atlantischen Blauflossenthunfischs im südlichen Tyrrhenischen Meer, jenem Abschnitt des Mittelmeers vor der italienischen Westküste zwischen Sizilien, Kalabrien und dem Festland. Die Laichbiomasse dieser Art ist zwischen den 1970er- und 2010er-Jahren um 80 % eingebrochen, und obwohl internationale Wiederauffüllungspläne eine Erholung der Bestände ermöglicht haben, sichten die Besatzungen in diesen Gewässern wieder Thunfische mit einem Gewicht von über 250 Kilo – doch eine einzige illegale Langleine, die während der Laichzeit ausgelegt wird, kann diese Fortschritte von Jahren in einer einzigen Nacht zunichte machen.

Treibnetze, Langleinen und zurückgelassene FADs (Fish Aggregating Devices, schwimmende Vorrichtungen zum Anlocken von Fischen, die nach Gebrauch oft im Meer treiben gelassen werden) bedrohen nicht nur Thunfische. Sie fangen wahllos Haie, Schildkröten, Delfine und Rochen und tragen massgeblich zur Plastikverschmutzung in italienischen Gewässern bei: Sea Shepherd schätzt, dass jedes Jahr mehr als 1'500 FADs illegal in der Region verankert werden.

Die Sea-Shepherd-Crew arbeitet die ganze Nacht hindurch daran, 19 km illegale Fischernetze einzuholen. Foto: Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global

Neun Jahre Operation SISO

In diesem Jahr findet die Kampagne bereits zum neunten Mal in Folge statt. Sie ist benannt nach einem jungen Pottwal, der 2017 auf den Äolischen Inseln tot aufgefunden wurde, nachdem er sich in einem illegalen Treibnetz verfangen hatte. Sein Skelett ist heute im Meeresmuseum MuMa in Milazzo, Sizilien, ausgestellt, unweit des Ortes, an dem die diesjährige Aktion stattfand. Seit Beginn der Kampagne im Jahr 2018 arbeitet Sea Shepherd Italien gemeinsam mit der Küstenwache und der Guardia di Finanza daran, illegale Fanggeräte aus dem Tyrrhenischen Meer zu entfernen. Dank dieser Partnerschaft, konnte die illegale Fischerei in diesem Gebiet seit 2022 um 70 % reduziert werden.

Entladen der beschlagnahmten Fischereiausrüstung in Vibo Valentia. Foto: Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global

Was wurde diese Saison schon erreicht?

Über den oben beschriebenen Einsatz hinaus hat die Kampagne durch tägliche Patrouillen entlang der Küste bereits weitere Ergebnisse erzielt:

* 15 km illegale Langleinen mit fast 400 Haken wurden von der Spitfire beschlagnahmt.
* Eine illegale Langleine mit 100 Haken zum Fang von Blauflossen-Thunfisch wurde gefunden, an ihr hing noch ein toter, 270 kg schwerer ausgewachsener Thunfisch.
* Vier Lockbojen wurden von der Sea Eagle entfernt.
* Weitere kilometerlange verlassene Treibnetze wurden geborgen und fachgerecht entsorgt.

„Das Meer ist die Grundlage des Lebens und ein zentrales Element für das ökologische Gleichgewicht. Was wir vor der Küste Kalabriens zusammen mit der Guardia di Finanza und der Küstenwache während der drei Tage intensiver Zusammenarbeit festgestellt haben, sind deutliche Verstöße gegen den Meeresschutz. Wir haben 19 Kilometer Netze entfernt und vier Rochen sowie eine Schildkröte lebend befreit. Diese Zahlen stehen für konkrete Ergebnisse und zeigen, dass die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Naturschutzorganisationen funktioniert. Dennoch bleibt viel zu tun. Wer illegale Fischer kennt, sollte nicht tatenlos zusehen und schweigen. Wer illegal fischt, hat kein Recht, auf See zu sein.“

Andrea Morello, Präsident von Sea Shepherd Italien.
Das beschlagnahmte Fischereigeschirr, aufgestapelt auf dem Deck der «Sea Eagle». Foto: Florian S. Schmidt/Sea Shepherd Global

Die Sea Eagle und die Spitfire werden ihre Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden im Juni und Juli fortsetzen und im südlichen Tyrrhenischen Meer auf Patrouille sein, um illegale Fangausrüstung aufzuspüren und zu entfernen, bevor diese weiteren Schaden anrichten kann.

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