Commentary

Chinas Augenwischerei zum Schutz der Antarktis

Donnerstag, 15 Okt, 2026

Seit Jahren blockiert die Volksrepublik China die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets (MPA) rund um die Antarktische Halbinsel. Pekings jüngster Schachzug? Der Vorschlag eines eigenen MPA.

 

Kommentar von Peter Hammerstedt, Kampagnenleiter bei Sea Shepherd Global.

Es wird erwartet, dass Peking an der bevorstehenden Sitzung der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) – dem zwischenstaatlichen Gremium, das für die Bewirtschaftung der Fischerei im Südlichen Ozean zuständig ist – einen eigenen Vorschlag für ein Meeresschutzgebiet (MPA) vorlegen wird.

Laut einem Bericht von Tiara Walters vom «Daily Maverick», die ihr zur Verfügung gestellte Dokumente geprüft hat, würde das vorgeschlagene Meeresschutzgebiet Gewässer umfassen, die Peking in seinem Antrag als «Kosmonautenmeer» bezeichnet – ein Name, der auf sowjetische Antarktis-Expeditionen im Jahr 1962 zurückgeht.

Die Wahl des Namens ist kein Zufall. Er weckt Assoziationen an die Zeit des Kalten Krieges und dient sowohl als Seitenhieb gegen westliche Länder, die sich für einen stärkeren Schutz rund um die Antarktische Halbinsel einsetzen, als auch als symbolische Anspielung auf Russland, das ebenso wie China die Einrichtung eines von den anderen CCAMLR-Mitgliedern unterstützten Meeresschutzgebiets an der Antarktischen Halbinsel ablehnt.

Die geografische Lage ist ebenso bewusst gewählt. Im Gegensatz zum vorgeschlagenen Meeresschutzgebiet rund um die Antarktische Halbinsel, das Gebiete umfasst, die derzeit von der industriellen Krillfischerei genutzt werden, würde Pekings Vorschlag ein Gebiet «sperren», in dem derzeit kein Krillfang stattfindet.

Abweichend von dem, was viele von einem Meeresschutzgebiet erwarten würden, schlägt Peking keinen ganzjährigen Schutz vor.

Stattdessen sieht der Vorschlag saisonale Sperrungen vor, wobei das gesamte Meeresschutzgebiet bereits nach 20 Jahren auslaufen soll.

Dieses Ablaufdatum ist besonders bemerkenswert. Es würde gegen 2048 liegen, dem Jahr, in dem das Protokoll zum Antarktisvertrag über den Umweltschutz im Rahmen eines speziellen Verfahrens überprüft werden kann, einschliesslich der Bestimmungen zum Verbot des Abbaus von Bodenschätzen in der Antarktis.

Manche werden Pekings Vorschlag als besser als nichts betrachten, wenn man bedenkt, dass die Bemühungen, ein Meeresschutzgebiet rund um eines der bekanntesten Ökosysteme der Antarktis zu schaffen, seit neun Jahren erfolglos geblieben sind.

Peter Hammarstedt, Kampagnenleiter von Sea Shepherd Global.

Doch Peking versucht, den Begriff des sinnvollen Meeresschutzes neu zu definieren, indem es eine symbolische Schutzmassnahme vorschlägt, die weniger als 1 % des Südlichen Ozeans abdeckt, während es gleichzeitig seit langem bestehende Vorschläge weiterhin blockiert, die – würden sie angenommen – den Gesamtschutz des Südlichen Ozeans auf etwa 26 % erhöhen würden.

Der Vorschlag Chinas ist politisches Theater, eine Augenwischerei, die darauf abzielt, Peking als vernünftigen Verfechter des Antarktis-Schutzes darzustellen, während es weiterhin einen sinnvollen Schutz des Südlichen Ozeans behindert.

Erfahre mehr über die Kampagne von Sea Shepherd Global zum Schutz der Antarktis.

 

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