Wissenschaftler warnen seit Jahren vor dem drohenden Kollaps und fordern einen vollständigen Fangstopp in der Ostsee, um den überfischten Arten eine Chance zur Erholung zu geben. Doch solange weiterhin bedrohte Arten direkt oder indirekt gefangen und Lebensräume – etwa durch Grundschleppnetzfischerei – zerstört werden, bleibt eine Erholung der Populationen ebenso unrealistisch wie eine nachhaltige Fischerei.

Die Fischpopulationen verharren auf kritisch niedrigem Niveau, und ein endgültiger Kollaps wird angesichts der zunehmenden Belastungen durch Klimawandel, Eutrophierung, sauerstoffarme Totzonen und Lebensraumverlust immer wahrscheinlicher. Fast völlig ignoriert wird bei der Festlegung der Fangquoten die ökologische Rolle jeder einzelnen Art im Nahrungsnetz.

Gerade Hering und Sprotte sind zentrale Futterfische und bilden die Grundlage für das Überleben von Raubfischen, Seevögeln und Meeressäugern. Das schlechte Nahrungsangebot in der Ostsee sowie das hohe Beifangrisiko durch Stellnetze, deren Einsatz durch Ausnahmeregelungen sogar zunimmt, stellen erhebliche Überlebensrisiken für den vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswal dar. Nach wie vor zählt die Stellnetzfischerei zu einer der Haupttodesursachen für diese Tiere und aktuellen Schätzungen zufolge sterben allein in der zentralen Ostsee jedes Jahr mehrere Hundert Schweinswale als Beifang in den ausgebrachten Netzen.

„Wenn Dorsch, Hering, Schweinswal und andere Arten in der Ostsee überleben sollen, braucht es konsequente Einschränkungen der Fischerei, echte No-Take-Zonen und grossflächige Schutzgebiete, in denen sich marine Lebensgemeinschaften ohne menschlichen Druck regenerieren können. Nur so kann verhindert werden, dass die Ostsee endgültig zu einem toten, leblosen Meer verkommt“, gab Florian Stadler an.